Queeres Leben im Kontext der biblischen Schöpfung
Ende Oktober hatte die Gondelsheimer Konfi-Gruppe Besuch von Diakon Max Wejwer von der Youth Academy der Landeskirche. Herr Wejwer hatte ein gesellschaftlich relevantes und sehr aktuelles Thema für die Konfis dabei: Queeres Leben. In erster Linie ging es darum, über das Thema sachlich zu informieren, Fragen zu klären und das Ganze dann in einen christlich-biblischen Kontext zu stellen. Beim Memory-Spielen konnten die Konfis ihr Vorwissen über Begrifflichkeiten, wichtige Daten und Fahnen aus dem LGBTQ+-Bereich anwenden und vertiefen. Zum Schluss wurde in Kleingruppen ein Text von Raphaela Noah Soden gemeinsam gelesen und besprochen. Dieser Text ist eine diversere Form des biblischen Schöpfungstextes:
Intro II
Am Anfang war also G*tt da. Mit Schaffenskraft und Tatendrang.
Ungestaltete Leere. Alles war möglich. G*tt bringt erstmal Licht ins Dunkel und: siehe, da waren nicht nur Tag und Nacht, sondern auch Polarlichter, Abendrot, Morgengrauen, kurze Tage mit wenig Licht und lange Tage mit viel Licht und so weiter.
Dann widmete G*tt sich dem Wasser. Wasser vom Himmel: Regen, Niesel, Schnee, Pulverschnee, Harsch, Hagel, Eisregen. Wasser auf der Erde: Meer und Land, aber auch das Watt, das manchmal Land ist und manchmal Wasser, Moore, die irgendwie beides gleichzeitig sind, Seen, Flüsse, Inseln und Marschland.
Dann tobte G*tt sich bei den Himmelskörpern aus: Mond und Sonne, aber auch verschiedene Sternarten, Kometen, Asteroiden, Planeten aus Gestein, Planeten aus Gas, ganze Galaxien und Schwarze Löcher kamen G*tt in den Sinn.
Dann machte sich G*tt an die Lebewesen: Pflanzen und Tiere, aber auch Mikroorganismen wie Pilze, Urtierchen und Algen. Hach, was G*tt da alles einfiel. G*tt konnte kaum an sich halten bei all den Farben und Formen und den unzähligen Kombinationen daraus, die da aus G*tt sprudelten. Bäume, Gräser, Sträucher und andere Gewächse: Schwämme, Seeanemonen und Korallen, die Pflanzen ähneln, aber zu den Tieren gezählt werden. Eierlegende Säugetiere wie das Schnabeltier. Vögel, die nicht fliegen können, dafür aber schwimmen wie die Pinguine. Fische, die schwimmen und durch die Luft gleiten können wie der Schwalbenfisch. Eine ganze Reihe von Tiere, die an Land und unter Wasser gleichzeitig leben usw.
Während G*tt so vor sich hinschöpfte und sich daran freute, was da so alles entstand, kam G*tt plötzlich eine weitere Idee. Ach komm, wir machen Menschen. Als unser Bild.
Kaum ausgesprochen, schon waren Menschen da. Manche waren weiblich, manche männlich, manche waren weiblich und männlich zugleich. Von manchen hätte mensch denken können, dass sie weiblich waren, aber sie waren männlich und umgekehrt. Manche waren weder weiblich noch männlich, sondern ganz anders oder hatten mit Geschlecht gar nichts am Hut. Unabhängig davon waren alle Menschen auch groß und klein und mittellang, hatten unterschiedliche Körperformen, Hauttönungen, Augen- und Haarfarben. Manche hatten gute Augen. Andere konnten mit den Händen sehen. Wieder andere hatten so feine Ohren, dass sie die Zwischentöne heraushören konnten. Manche hatten den Traum auf großen Bühnen Ballett zu tanzen. Andere hatten wunderbare Ideen, wie alle gut zusammenleben könnten. Wieder andere spürten, dass es manchmal mehr als genug ist, einfach zu atmen und konnten sehr gut gar nichts machen. Und und und…. Und dann gab es auch noch alle möglichen Kombinationen und Varianten, sodass am Ende jeder Mensch ein einzigartiges Individuum wurde, das es kein zweites Mal gibt und in keine einzige Schublade passte. Schließlich waren alle G*ttes Bild.
Und G*tt sah alles an, war mächtig überrascht und angetan und berührt von all der Kreativität und Lebendigkeit und Vielfalt und sagte sich: Ja, das ist alles sehr gut. Und das ist bis heute so.